Die Theorie – Wie die alten Meister gemalt haben: Lehre über Harmonie und Schönheit (16. Jahrhundert)

Das Gesetz der Harmonie nach Vitruv verkündet in dessen Büchern ‚De Architectura‘ die Grundaussage: Der Menschliche Körper ist nichts Anderes als ein Bauwerk, ein Tempel der Seele. Die Säulen und Grundmaße dieses Tempels aus Knochen, Fleisch und Blut folgen ewigen Gesetzen der Schönheit. Anhand geometrischer Formen werden die idealen Proportionen des Menschen zueinander beschrieben.

Die bekannteste Illustration stammt von Leonardo und erlangte unter dem Namen ‚Der Vitruvianische Mensch‘ Berühmtheit. Diese Zeichnung belegte die These Vitruvs’: Der aufrecht stehende Mensch fügt sich sowohl in die geometrische Form des Quadrates wie des Kreises. Auch Albrecht Dürer fand Inspiration in den Ausführungen Vitruvs: Gott hat Eva erschaffen als das Mittelmaß aller Frauen. Die wahre Harmonie erschließt sich zwischen der schönsten und der hässlichsten Frau.

Auf große Vehemenz stieß die Auffassung, das die Ungestalt, die Deformitas (wie Dürer sie nannte), unbedingt ihre eigene Schönheit besäße. Die Entdeckung der Harmonie in der Disharmonie. Die Beine sind zu lang, der Kopf zu klein, die Füße hingegen zu groß, ebenso die Hände. Ganz und gar nicht die idealen Maße, wie Dürer sie verlangt hätte. Doch gerade wegen dieser Abweichungen erscheint das Modell wunderschön. Jene Momente der Deformitas wirken wie die Würze in einem Gericht vollkommender Ausgewogenheit.

 

Bild: Leonardo Da Vinci, Vespasian and the Grotesque, ca. 1490, Tinte auf Papier

Bisher behandelt: Farbpigmente aus der frühen Zeit –
MumieCaput MortuumBraun, Rot und ErdtöneGrüntöneBlautöne,  Weiß, Gelb und Schwarztöne
Das Material & Vorbereitende Arbeiten –
BindemittelPinselPalettenMalgrund/TafelGrundierungDer Weg zum Meisterwerk und ein guter RatschlagDie SkizzeÜbertrag der Skizze & Platzierung der Staffelei, Die erste Schicht, Untermalung, Erwachen aus der Vorläufigkeit und Der Weg zur Primamalerei

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