Die Überarbeitung – Wie die alten Meister gemalt haben: Zwischen Wirklichkeit und Einbildung (16. Jahrhundert)

Gehe sehr langsam vor. Riskiere immer nur die kleinsten Eingriffe in die Malschicht. So minimal, dass man sie kaum als echte Pentimenti, also vorgenommene Veränderungen, bezeichnen kann. Zunächst konzentriere dich auf die Augen, auf den Blick. Erinnere dich deutlich an den Gesichtsausdruck, die Intelligenz, Wachsamkeit, vielleicht auch Weisheit. Erweist sich dies als schwierig, entferne vorsichtig diese oberste, letzte Malschicht und versuche es erneut mit kleinsten Veränderungen, zum Beispiel an der Pupille, den Lichtern im Augapfel. Die Wirkung auf den Gesamteindruck, den das Gemälde macht, wird außerordentlich sein.

Die Wirklichkeit kannst du in diesem letzten Abschnitt der Arbeit nicht gebrauchen. Lass an Ihre Stelle Erinnerung und Kontemplation treten. Ein guter Maler muss es verstehen, zwischen Wirklichkeit und Einbildung hin und her zu wechseln. So wie ein Meer sich aus Wellen und Wellentälern bildet, entsteht ein Bild aus dem gleichen Hin- und Herbewegen von Wirklichkeit und Einbildung. Verrückte können dies von Natur aus, also ist ein guter Maler jemand, der es gelernt hat, nach Belieben verrückt zu sein.

 

Bild: Portrait von Hieronymus Bosch, unbekannt, zwischen 1575 und 1600

Bisher behandelt: Farbpigmente aus der frühen Zeit –
MumieCaput MortuumBraun, Rot und ErdtöneGrüntöneBlautöne,  Weiß, Gelb und Schwarztöne
Das Material & Vorbereitende Arbeiten –
BindemittelPinselPalettenMalgrund/TafelGrundierungDer Weg zum Meisterwerk und ein guter RatschlagDie SkizzeÜbertrag der Skizze & Platzierung der Staffelei
Das Portrait –
Die erste Schicht, Untermalung, Erwachen aus der Vorläufigkeit, Der Weg zur Primamalerei
Erkenntnisse & Hilfsmittel –
Lehre über Harmonie und Schönheit, Beispiel für den herkömmlichen Gebrauch von Insignien & SymbolenDer Perspektivenapparat, Wenn man situationsbedingt nur schwer mit Ölfarben zurechtkommt – Knochenasche für Skizzen auf Reisen
Die Überarbeitung –
Erkenntnis nach einer Pause am Werk

 

Titelbild:

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